Lebensbedrohliche Nebennieren-Krise (Addison Krise) - Vorschlag #2
Definition: Starke Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes plus in der Regel mindestens zwei der folgenden Zeichen eines Cortisolmangels:
Kreislauf & Herz: Niedriger Blutdruck, erhöhter Puls, Kreislaufkollaps, Schläfrigkeit bis Bewusstlosigkeit (akutes Warnzeichen)
Flüssigkeits- & Elektrolythaushalt: Flüssigkeitsmangel, Verschiebung der Blutsalze (↓Natrium, ↑Kalium)
Temperaturregulation: Schüttelfrost, Körpertemperatur +/-
Magen-Darm-Trakt: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
Zuckerstoffwechsel: Unterzuckerung oder Unterzuckerungsgefühl (Kaltschweiß, Herzrasen, Hunger)
Muskulatur & Motorik: Gelenk-/Muskelschmerzen, zittern, schwere Erschöpfung, Schwindel, Beinschwäche
Kognitiv & Psychisch: Konzentrationsschwäche, Antriebsarmut, Reizbarkeit
Wichtiger Hinweis
Im Zweifelsfall immer Hydrocortison (alternativ jedes andere Cortisonpräparat) verabreichen,
denn es kann kein Schaden entstehen!
Nebennierenkrisen können plötzlich und unerwartet kommen, sich über Tage oder innerhalb weniger Stunden entwickeln.
Informationen für den Notfall
Wir haben für Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Handhabung des Notfall-Sets erstellt. Zur Anleitung
AdrenalNET bietet eine bebilderte Anleitung zum Download an. Zum Download der Infografik (externe Seite).
Wie funktioniert die Notfallspritze? Dies erklärt AdrenalNET in einem kurzen Video. Zum Video (externe Seite).
Hydrocortison wirkt nur 6–8 Stunden und muss deshalb bei länger anhaltenden Problemen mehrfach täglich gegeben werden! Im Zweifelsfall IMMER großzügig Hydrocortison einnehmen! Erst handeln, dann denken! Nach jeder Selbstinjektion Arzt/Notarzt informieren oder Krankenhaus aufsuchen, NOTFALLAUSWEIS vorlegen und idealerweise den letzten Arztbrief mitnehmen.
Anpassungs-Anweisungen für Erwachsene
| leichte Verletzungen, anstrengende Abendveranstaltungen, Aktivität über das Gewohnte hinaus | ggf. zusätzliche Einnahme von 5–10 mg Hydrocortison |
| Infekt mit leichtem bis mittlerem Krankheitsgefühl ohne Fieber oder deutliche Belastungssituation (starke körperliche Belastung), starker Schmerz, erheblicher Stress (Trauerfall, Prüfung, Hochzeit), Zahneingriffe, kleine ambulante Eingriffe | Tagesdosis verdoppeln, ggf. zusätzlich abends 5–10 mg Hydrocortison |
| akute Erkrankung und/oder Fieber mit deutlichem Krankheitsgefühl | Tagesdosis verdreifachen oder 30-20-10 mg Hydrocortison (bei Tagesdosis ≤20 mg Hydrocortison/d) Dringend ärztliche Hilfe einholen! |
| anhaltendes Erbrechen/Durchfall oder hohes Fieber (>39 °C) mit schwerem Krankheitsgefühl | 100 mg Hydrocortison (oder anderes Glucocorticoid) als Selbstinjektion in den Muskel, unter die Haut oder als Infusion SOFORT ärztliche Hilfe einholen! |
| Operation (stationär, Vollnarkose) | OP-Tag: 100 mg i. v. als Bolus vor Narkoseeinleitung, gefolgt von 100–200 mg/24h i. v. Nach OP: 100 mg/24h i. v., bis Patient essen/trinken darf, dann umstellen: doppelte orale Tagesdosis für 24–48h, dann Reduktion je nach Klinik |
Anpassungs-Anweisungen für Kinder und Jugendliche
| leichtgradige psychische oder körperliche Beanspruchung z. B.: Wettkampf, Turnier, lange Wandertour, lange Klausur wie Abi-Prüfung oder Abschlussprüfung, leichte Zahnarztbehandlung (z. B. Füllung), emotionaler Stress (Trauerfall, Hochzeit) | Zusätzliche Einnahme einer Einzeldosis, etwa der Mittags- oder Abenddosis entsprechend vor dem Ereignis |
| leichter Infekt mit Temperatur <38,5 °C und geringem Krankheitsgefühl | Tagesdosis verdoppeln |
| Erkrankungen mit Fieber >38,5 °C | >38,5 °C Dosis verdreifachen, >39,5 °C Dosis vervierfachen, Dosiserhöhung bis zur Genesung, danach innerhalb von 1–2 Tagen Rückkehr auf die Standarddosis. |
| bei schwerem Krankheitsgefühl (unabhängig von der Temperatur), Reduktion des Allgemeinzustandes oder Änderung des Bewusstseins, Schock, Trauma | i. m. oder s. c. Gabe von Hydrocortison: Säuglinge: 25 mg; Kindergarten- und Grundschulalter: 50 mg; Jugendliche: 100 mg (alternativ: Zäpfchen, z. B. Rectodelt 100 mg, nicht bei Durchfall!). Nach der Injektion ärztlich vorstellen! Ggf. Fortsetzung der Hydrocortisontherapie 100 mg/m²/24h i. v. und Infusionstherapie (NaCl 0,9 %, Glukose) |
| falls orale Einnahme nicht möglich (z. B. bei Magen-Darminfektion mit Erbrechen) | i. m. oder s. c. Gabe von Hydrocortison: Säuglinge: 25 mg; Kindergarten- und Grundschulalter: 50 mg; Jugendliche: 100 mg (alternativ: Glukokortikoid-Zäpfchen, z. B. Rectodelt, 100 mg nicht bei Durchfall!). Nach der Injektion ärztlich vorstellen! |
| Perioperative Hydrocortisontherapie grundsätzlich sollten operative Eingriffe möglichst stationär und nicht ambulant erfolgen und die Rücksprache mit einem pädiatrischen Endokrinologen erfolgen | siehe AW/MF-Leitlinie Nebenniereninsuffizienz |
Tabelle zur Hydrocortison-Anpassung bei medizinischen Eingriffen
nach Allolio EJE 2015, www.addisons.org.uk und Sektion Nebenniere, Steroide und Hypertonie der DGE; modifiziert nach Sektion Nebenniere, Steroide und Hypertonie der DGE, Version 8. Okt. 2016
Art des Eingriffes | Notwendigkeit vor und wärend der OP | Vorgehen nach der OP |
|---|---|---|
lange, große Operation mit langer Erholungsphase (z.B. Herzchirurgie; große Darm-OP; Operationen, die einen Intensivstation-Aufenthalt beinhalten) | 100 mg Hydrocortison intravenös (oder intramuskulär) direkt vor Narkoseeinleitung, gefolgt von einer kontinuierlichen Hydrocortisongabe intravenös (100 mg/24 Stunden) | Kontinuierliche Hydrocortisongabe intravenös (100 mg/24 Stunden), bis Patient wieder essen und trinken darf. |
große Operation mit kurzer Erholungsphase (z. B. Kaiserschnitt, Kniegelenk-Ersatz) | 100 mg Hydrocortison intravenös (oder intramuskulär) direkt vor Narkoseeinleitung, gefolgt von einer kontinuierlichen Hydrocortisongabe intravenös (100 mg/24 Stunden) | Kontinuierliche Hydrocortisongabe intravenös (100 mg/24 Stunden), bis Patient wieder essen und trinken darf. |
Wehen und vaginale Geburt | bei Wehenbeginn 100 mg Hydrocortison intravenös (oder intramuskulär), gefolgt von einer kontinuierlichen Hydrocortisongabe intravenös (100 mg/24 Stunden) | Kontinuierliche Hydrocortisongabe intravenös (100 mg/24 Stunden) bis nach der Geburt. Dann umstellen auf Tabletten mit doppelter oraler Hydrocortison-Dosis für 24–48 Stunden, dann Verringerung zur normalen Tagesdosis. |
kleine Operation (z. B. Katarakt-OP, Hernien-OP, Laparoskopie), große Zahn-OPs in Vollnarkose | 100 mg Hydrocortison intravenös (oder intramuskulär/unter die Haut) direkt vor Narkoseeinleitung/Anästhesiebeginn | Doppelte orale Hydrocortison-Dosis für 24 Stunden, dann Verringerung zur normalen Tagesdosis. |
mittlere Zahn-OPs mit Lokalanästhesie (z. B. Wurzelkanal-OP) | zusätzliche Hydrocortison-„Morgendosis“ 1 Stunde vor dem Behandlungsbeginn | Doppelte orale Hydrocortison-Dosis für 24 Stunden, dann Verringerung zur normalen Tagesdosis. |
kleine Eingriffe, z. B. kleine Zahn-OPs (Füllung), Hautbiopsien mit lokaler Betäubung | normalerweise keine Erhöhung notwendig | Zusätzliche Hydrocortison-Tagesdosis (20 mg), wenn Zeichen des Cortisolmangels auftreten. |
invasive Darmuntersuchungen mit Abführmitteln (z. B. Koloskopie) | Fall A: bei hohem Risiko (z. B. älterer Patient, zusätzliche Krankheiten, zusätzlicher Diabetes insipidus etc.): Krankenhauseinweisung mit intravenöser Gabe von physiologischer NaCl-Infusion und 50–100 mg Hydrocortison unter die Haut oder intramuskulär während der Darmvorbereitung und 100 mg Hydrocortison intravenös (oder unter die Haut oder intramuskulär) direkt vor Untersuchungsbeginn Fall B: niedriges Risiko – ambulante Darmvorbereitung am Vortag mit dreifacher HC-Tagesdosis (wichtig: 60 Minuten Abstand zwischen Tabletteneinnahme und Trinklösung; ausreichend zusätzlich Wasser trinken) + doppelte HC-Dosis morgens am Untersuchungstag zuhause und dann 100 mg Hydrocortison intravenös (oder unter die Haut oder intramuskulär) direkt vor Untersuchungsbeginn | Doppelte orale Hydrocortison-Dosis für 24 Stunden, dann Verringerung zur normalen Tagesdosis. |
andere invasive Untersuchungen (z. B. Endoskopie, Magenspiegelung) | 100 mg Hydrocortison intravenös (oder unter die Haut oder intramuskulär) direkt vor Narkoseeinleitung/Narkosebeginn | Doppelte orale Hydrocortison-Dosis für 24 Stunden, dann Verringerung zur normalen Tagesdosis. |
Hydrocortison wirkt nur 6–8 Stunden und muss deshalb bei länger anhaltenden Problemen mehrfach täglich gegeben werden! Im Zweifelsfall IMMER großzügig Hydrocortison einnehmen! Erst handeln, dann denken! Nach jeder Selbstinjektion Arzt/Notarzt informieren oder Krankenhaus aufsuchen, NOTFALLAUSWEIS vorlegen und idealerweise den letzten Arztbrief mitnehmen.
Anpassungs-Anweisungen für Erwachsene
| leichte Verletzungen, anstrengende Abendveranstaltungen, Aktivität über das Gewohnte hinaus | ggf. zusätzliche Einnahme von 5–10 mg Hydrocortison |
| Infekt mit leichtem bis mittlerem Krankheitsgefühl ohne Fieber oder deutliche Belastungssituation (starke körperliche Belastung), starker Schmerz, erheblicher Stress (Trauerfall, Prüfung, Hochzeit), Zahneingriffe, kleine ambulante Eingriffe | Tagesdosis verdoppeln, ggf. zusätzlich abends 5–10 mg Hydrocortison |
| akute Erkrankung und/oder Fieber mit deutlichem Krankheitsgefühl | Tagesdosis verdreifachen oder 30-20-10 mg Hydrocortison (bei Tagesdosis ≤20 mg Hydrocortison/d) Dringend ärztliche Hilfe einholen! |
| anhaltendes Erbrechen/Durchfall oder hohes Fieber (>39 °C) mit schwerem Krankheitsgefühl | 100 mg Hydrocortison (oder anderes Glucocorticoid) als Selbstinjektion in den Muskel, unter die Haut oder als Infusion SOFORT ärztliche Hilfe einholen! |
| Operation (stationär, Vollnarkose) | OP-Tag: 100 mg i. v. als Bolus vor Narkoseeinleitung, gefolgt von 100–200 mg/24h i. v. Nach OP: 100 mg/24h i. v., bis Patient essen/trinken darf, dann umstellen: doppelte orale Tagesdosis für 24–48h, dann Reduktion je nach Klinik |
Anpassungs-Anweisungen für Kinder und Jugendliche
| leichtgradige psychische oder körperliche Beanspruchung z. B.: Wettkampf, Turnier, lange Wandertour, lange Klausur wie Abi-Prüfung oder Abschlussprüfung, leichte Zahnarztbehandlung (z. B. Füllung), emotionaler Stress (Trauerfall, Hochzeit) | Zusätzliche Einnahme einer Einzeldosis, etwa der Mittags- oder Abenddosis entsprechend vor dem Ereignis |
| leichter Infekt mit Temperatur <38,5 °C und geringem Krankheitsgefühl | Tagesdosis verdoppeln |
| Erkrankungen mit Fieber >38,5 °C | >38,5 °C Dosis verdreifachen, >39,5 °C Dosis vervierfachen, Dosiserhöhung bis zur Genesung, danach innerhalb von 1–2 Tagen Rückkehr auf die Standarddosis. |
| bei schwerem Krankheitsgefühl (unabhängig von der Temperatur), Reduktion des Allgemeinzustandes oder Änderung des Bewusstseins, Schock, Trauma | i. m. oder s. c. Gabe von Hydrocortison: Säuglinge: 25 mg; Kindergarten- und Grundschulalter: 50 mg; Jugendliche: 100 mg (alternativ: Zäpfchen, z. B. Rectodelt 100 mg, nicht bei Durchfall!). Nach der Injektion ärztlich vorstellen! Ggf. Fortsetzung der Hydrocortisontherapie 100 mg/m²/24h i. v. und Infusionstherapie (NaCl 0,9 %, Glukose) |
| falls orale Einnahme nicht möglich (z. B. bei Magen-Darminfektion mit Erbrechen) | i. m. oder s. c. Gabe von Hydrocortison: Säuglinge: 25 mg; Kindergarten- und Grundschulalter: 50 mg; Jugendliche: 100 mg (alternativ: Glukokortikoid-Zäpfchen, z. B. Rectodelt, 100 mg nicht bei Durchfall!). Nach der Injektion ärztlich vorstellen! |
| Perioperative Hydrocortisontherapie grundsätzlich sollten operative Eingriffe möglichst stationär und nicht ambulant erfolgen und die Rücksprache mit einem pädiatrischen Endokrinologen erfolgen | siehe AW/MF-Leitlinie Nebenniereninsuffizienz |