Ein Gefühl der Dankbarkeit

Wir, die Selbsthilfegruppe von Erlangen, haben einen wunderschönen Tag zusammen verbracht. Nach dem Ausflug begleitet mich ein Gefühl der Dankbarkeit, noch stärker als davor.

Veränderung

Darüber möchte ich wie folgt berichten:
Ich werde demnächst 50 Jahre alt. Eine Zeit der Veränderung, während der Wechseljahre einer Frau. Ich habe schon mein lang gewachsenes Haar kurz schneiden lassen. Die richtige Entscheidung, denn es fühlt sich befreiend und gut an.
Ich empfinde mich dennoch weiblich und ich bin auf der Suche nach einer neuen Identität, der einer 50-jährigen Frau.
Ein Gefühl der Dankbarkeit begleitet mich dabei.

Seitdem ich Nebennierenrinden-Insuffizienz habe, nach zweimaliger Hypophysen-Adenom-Entfernung.
Täglich, wenn ich morgens pünktlich um 6 Uhr 1 Schilddrüsentablette schlucke, später um 8 Uhr 1 Hydrocortison-Tablette und ca. 13:30 Uhr, 1/2 Hydrocortisontablette schlucke, empfange ich dieses intensive Gefühl der Dankbarkeit.

Freude und Energie

Diese Tabletten lassen mich leben, empfinden und denken.
Kurze Zeit nach der Einnahme, habe ich frische Energie und kann alles tun.
Keine alltäglichen Arbeiten fallen mir zu schwer, ich mache es gerne, weil ich gerne lebe.
Ich bin frisch verheiratet. Letzten Monat haben wir uns standesamtlich trauen lassen, mein Lebensgefährte und ich.

Jetzt sagt mein Mann öfter zu mir: "Ruhe dich doch etwas aus, du machst am Tag so viel."

Aber ich will mich nicht aufs Bett legen und die Augen schließen. Ich habe Freude, alles sehen zu können, und ich habe immer eine Idee, was ich tun könnte.

Herausforderungen

Im Verlag bin ich halbtags beruflich beschäftigt, seit 14 Jahren. Dort gibt es wahnsinnig viel zu tun.
Dort muss ich mich zusammenreißen.
Das bedeutet:

1. Ständige Kontrolle, um konzentriert arbeiten zu können. Nur ein kleiner Aussetzer und es gibt fatale Ergebnisse.

  • Fehler die ich meistens rechtzeitig selbst bemerke und darüber entsetzt bin, wie das passieren konnte.
  • Auch im Alltag passiert mir das, worüber mein Mann auch erstaunt ist, der meint, ich müsste besser aufpassen.

Das stresst mich am meisten.

2. Ständige Kontrolle, um Kolleginnen und Kollegen auf der gleichen Ebene begegnen zu können, um sie nicht spüren zu lassen, wie unsicher ich mich fühle.

Im Beruf begleitet mich ständige Angst, dass ich den Aufgaben nicht entsprechen könnte.
Bei Vorträgen und Schulungen habe ich Ängste, dass ich den Stoff nicht richtig erfasse.

Alle schriftlichen Anweisungen studiere ich intensiv, um mich sicherer zu fühlen.

In meinem eigenen Tempo kann ich gut mitarbeiten. Beim Termindruck fühle ich mich hilflos und alles ist sehr viel schwieriger.
Tatsache ist, dass mich im Beruf ständige Unsicherheit begleitet. Das kostet viel Energie, es strengt an.
Wie gut, dass ich Hydrocortison-Tabletten bei mir trage und, bei Überforderung, 1/2 Tablette mich vor diesem Druck befreit.
Danach geht es wieder, wunderbar!

Ich bin dankbar - vom ganzen Herzen - der medizinischen Forschung, die mir ermöglicht zu leben.
Ganz wichtig sind, die regelmäßigen Untersuchungen beim Endokrinologen.
Während der vielen Jahre habe ich Vertrauen zu meinem Arzt aufgebaut.
Er kotrolliert die Werte in meinem Blut und ich bekomme einen Bericht von ihm, der mich wissen lässt, dass alles in Ordnunug in meinem Körper ist, dass alles gut ist und ich so weiter machen kann.