sylvie hat geschrieben:
...Die Symptome, die Du beschreibst, sind natürlich nicht gerade beruhigend, aber sind sie nicht nur vorübergehend und verschwinden, sobald man das Mittel weglässt (oder irgendwie den normalen Zustand wieder herstellt)?
Die leichteren Symptome verschwinden nach dem Test wieder. Die sind "nur unangenehm". Wenn aber eine schwer wiegende Komplikation auftritt, kann sie zu Koma, Hirnschäden bis hin zum Tod führen. Das kommt natürlich nur extrem selten vor, aber für den Betroffenen genügt es ja, dass es genau einmal vorkommt.
In der Fachliteratur sind die schweren Komplikationen dokumentiert:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1881200/?page=1In diesem Artikel von 1992 heißt es übersetzt:
"... Von den verschiedenen verfügbaren Tests für die Wachstumshormonsekretion hat der Insulin-Hypoglykämietest das größte Potenzial für neurologische Folgeschäden. ... Bei Kindern mit Verdacht auf Hypophysenunterfunktion sollte nur die Hälfte der üblichen Insulindosis verwendet werden (Anm. d. Ü.: entspr. 0,05 IE Insulin/kg Körpergewicht statt 0,1 IE/kg). ... Insulin-Hypoglykämietests sollten bei Kindern unter 5 Jahren nicht angewendet werden. ... Glukagon kann für die Stimulation der Sekretion von Wachstumshormon verwendet werden ... und ist sicherer, wenn der intravenöse Zugang während des Tests verloren geht. ..."
Der Artikel schließt wie folgt: "During pharmacological tests of growth hormone secretion greater vigilance and improved resuscitation techniques need to be entertained if such tragedies are to be avoided in the future."
"Währende der pharmakologischen Tests der Ausschüttung von Wachstumshormonen sind größere Umsicht und verbesserte Wiederbelebungstechniken erforderlich, damit solche Tragödien (gemeint sind die drei im Artikel geschilderten Fallbeispiele) in Zukunft vermieden werden können."
Da ich bisher in den Endokrinologischen Praxen einen eher laxen Umgang mit den Stimualtionstests beobachtet habe (die Überwachung der Patienten erfolgt neben dem normalen Ablauf in der Praxis; mit anderen Worten schaut ab und zu mal eine Sprechstundenhilfe vorbei; von lückenloser Überwachung und sofortiger Reaktion kann keine Rede sein; manchmal erfolgen auch die Blutabnahmen nicht pünktlich, weil gerade das Telefon klingelt usw.) und ich seit 1992 von keinen erheblichen Fortschritten in den Wiederbelebungstechniken gehört habe (außer vielleicht bei der gezielten Anwendung von Unterkühlung zur Reduktion von Hirnschäden, was aber nur in entsprechend ausgestatteten Krankenhäusern möglich ist), finde ich das Abwiegeln einiger Endokrinologen bei diesem Thema fahrlässig, zumindest aber unangebracht.
Auch der Glukagontest gehört dabei zu den kritischen Tests, weil auch hier mit Unterzuckerung gearbeitet wird.
Ich bleibe bei meinem Standpunkt, von Tests per Unterzuckerung abzuraten; auch wenn ich kein Mediziner bin und dies letztendlich nur eine Empfehlung auf Basis der mir zugänglichen Literatur ist.